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    Ältere Hand hält behutsam die kleine Hand eines Babys

    Keuchhusten-Impfung bei Erwachsenen: Wie oft und wann sie nötig ist

    Dr. Martin Privoznik, Facharzt für Innere Medizin bei avi medicalDr. Martin PrivoznikFacharzt für Innere Medizin
    5 Min. Lesezeit

    Einmal mit der nächsten Tetanus-Auffrischung, in jeder Schwangerschaft und vor der Geburt eines Enkels: wann Erwachsene gegen Keuchhusten geimpft werden sollten und warum das vor allem Babys schützt.

    Kurz gesagt

    Alle Erwachsenen sollen einmal gegen Keuchhusten geimpft werden, am einfachsten mit der nächsten fälligen Tetanus-Diphtherie-Auffrischung [1]. Schwangere sollen sich in jeder Schwangerschaft impfen lassen, zu Beginn des letzten Schwangerschaftsdrittels [1]. Wer engen Kontakt zu einem Neugeborenen hat, braucht eine Impfung, wenn die letzte mehr als zehn Jahre zurückliegt, möglichst vier Wochen vor der Geburt [1].

    Keuchhusten gilt als Kinderkrankheit, betrifft aber längst vor allem Erwachsene. Bei ihnen verläuft die Erkrankung oft unauffällig, als hartnäckiger Husten über Wochen. Gefährlich wird sie vor allem für Säuglinge, die noch nicht selbst geimpft sind und sich häufig bei Erwachsenen anstecken.

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    der Erkrankten sind Erwachsene
    rund 60 %
    der Erkrankten sind Erwachsene
    Quelle: Robert Koch-Institut: Infektionsepidemiologisches Jahrbuch 2024; Epidemiologisches Bulletin 42/2026; RKI-Ratgeber Keuchhusten

    Warum ist Keuchhusten auch für Erwachsene ein Thema?

    Keuchhusten betrifft Erwachsene, weil weder eine Impfung noch eine überstandene Erkrankung lebenslang schützen [2] [3]. Nach einer Erkrankung hält der Schutz höchstens 10 bis 20 Jahre, nach einer Impfung ebenfalls nur begrenzt [3]. Rund 60 Prozent aller Erkrankungen betreffen inzwischen Menschen ab 18 Jahren [2]. Die Fallzahlen sind in den letzten Jahren stark gestiegen [5] [8].

    Bei Erwachsenen zeigt sich Keuchhusten oft nur als lang anhaltender Husten, ohne die typischen Hustenanfälle [2]. Die Erkrankung beginnt meist wie eine Erkältung. Weil sie selten erkannt wird, geben Erwachsene die Bakterien unbemerkt weiter, auch an Säuglinge [2].

    Für Säuglinge ist Keuchhusten lebensgefährlich. Sie können Atemaussetzer bekommen, und fast alle Todesfälle betreffen junge, ungeimpfte Säuglinge unter sechs Monaten [2]. 2024 starben in Deutschland sechs Menschen an Keuchhusten, darunter vier Säuglinge ohne Impfschutz [5]. Babys werden erst ab dem Alter von zwei Monaten selbst geimpft. Bis dahin schützt sie vor allem, dass die Menschen um sie herum geimpft sind.

    Wie oft brauchen Erwachsene eine Keuchhusten-Impfung?

    Erwachsene ohne besonderen Anlass brauchen die Keuchhusten-Impfung nur einmal. Die STIKO empfiehlt, die nächste fällige Auffrischung gegen Tetanus und Diphtherie einmalig mit einem Kombinationsimpfstoff zu geben, der auch gegen Keuchhusten schützt [1]. Danach wird nur noch Tetanus und Diphtherie alle zehn Jahre aufgefrischt.

    Einen Impfstoff nur gegen Keuchhusten gibt es in Deutschland nicht [1]. Jede Keuchhusten-Impfung frischt deshalb auch den Schutz gegen Tetanus und Diphtherie auf, bei Bedarf auch gegen Polio. Wer erst vor Kurzem gegen Tetanus geimpft wurde, kann die Kombinationsimpfung trotzdem erhalten, wenn sie empfohlen ist [1] [3].

    Auch nach einer Verletzung, wenn eine Tetanus-Impfung nötig ist, erhalten Erwachsene den Kombinationsimpfstoff, sofern sie als Erwachsene noch nicht gegen Keuchhusten geimpft wurden [1]. Ein Blick in den Impfpass zeigt, ob das schon geschehen ist.

    Warum in jeder Schwangerschaft impfen?

    Die Impfung in der Schwangerschaft schützt das Neugeborene in den ersten Lebensmonaten. Die Antikörper der Mutter gehen auf das Kind über, bevor es selbst geimpft werden kann [1]. Weil diese Antikörper etwa zwölf Monate nach der Impfung deutlich abnehmen, empfiehlt die STIKO die Impfung in jeder Schwangerschaft, unabhängig davon, wann zuletzt geimpft wurde [1] [3].

    Der beste Zeitpunkt ist der Beginn des letzten Schwangerschaftsdrittels, also ab der 28. Schwangerschaftswoche. Ist eine Frühgeburt wahrscheinlich, wird die Impfung ins zweite Drittel vorgezogen [1]. Die Impfung in der Schwangerschaft ist laut RKI genauso sicher wie vor einer Schwangerschaft [4]. Wurde in der Schwangerschaft nicht geimpft, soll die Mutter in den ersten Tagen nach der Geburt geimpft werden [1].

    Wer im Umfeld eines Babys sollte geimpft sein?

    Alle, die engen Kontakt zu einem Neugeborenen haben, sollen gegen Keuchhusten geschützt sein. Liegt ihre letzte Impfung zehn Jahre oder länger zurück, sollen sie möglichst bis vier Wochen vor der Geburt eine Impfung erhalten [1] [6].

    Wann Erwachsene gegen Keuchhusten geimpft werden sollten (STIKO-Empfehlungen 2026)
    WerWannWie oft
    Alle Erwachsenenmit der nächsten fälligen Tetanus-Diphtherie-Auffrischungeinmalig
    Schwangereab der 28. Schwangerschaftswoche, bei drohender Frühgeburt früherin jeder Schwangerschaft
    Eltern, Geschwister, Großeltern, Babysitter von Neugeborenenmöglichst bis 4 Wochen vor der Geburtwenn die letzte Impfung 10 Jahre oder länger her ist
    Personal in Gesundheitswesen und Gemeinschaftseinrichtungenunabhängig von einer Geburtalle 10 Jahre

    Wenn Sie Großeltern werden oder ein Baby im Freundeskreis betreuen, lohnt sich ein Blick in den Impfpass. Eine fehlende Impfung lässt sich in der Hausarztpraxis meist kurzfristig nachholen.

    Welche Nebenwirkungen hat die Impfung?

    Die Impfung wird in der Regel gut vertragen. Häufig sind Rötung, eine leichte Schwellung und Schmerzen an der Einstichstelle. Auch Kopf- und Gliederschmerzen, Unwohlsein oder leichtes Fieber sind möglich und klingen meist nach wenigen Tagen ab [4]. Allergische Reaktionen sind selten [7].

    Bei einer akuten schweren Erkrankung wird die Impfung verschoben, bis Sie wieder gesund sind. Ein leichter Infekt ohne Fieber, eine Antibiotika-Behandlung oder die Stillzeit sprechen nicht gegen die Impfung [1].

    Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen

    Husten Sie länger als zwei Wochen, lassen Sie das ärztlich abklären. Ein Test kann Keuchhusten nachweisen, und eine frühe Behandlung mit Antibiotika verkürzt die Zeit, in der Sie andere anstecken können [2]. Hat ein Säugling Atemaussetzer, läuft blau an oder bekommt schlecht Luft, rufen Sie sofort den Notruf 112.

    Häufige Fragen

    Ja, das ist möglich, weil der Schutz mit der Zeit nachlässt [3]. Auch Geimpfte können die Bakterien vorübergehend tragen und weitergeben [2] [3]. Deshalb ist es wichtig, dass im Umfeld von Säuglingen alle aktuell geimpft sind.

    Nur wenn Sie im Gesundheitswesen oder in einer Gemeinschaftseinrichtung arbeiten oder engen Kontakt zu einem Neugeborenen haben. Für alle anderen Erwachsenen reicht eine Impfung [1].

    Nein. In Deutschland gibt es nur Kombinationsimpfstoffe, die gleichzeitig gegen Tetanus und Diphtherie schützen, manche auch gegen Polio [1].

    Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für die empfohlenen Impfungen, auch in der Schwangerschaft und für Kontaktpersonen von Neugeborenen [6]. Bei einer beruflich empfohlenen Impfung fragen Sie Ihren Arbeitgeber.

    Nicht dauerhaft. Eine überstandene Erkrankung schützt höchstens 10 bis 20 Jahre [3]. Die STIKO empfiehlt die Impfung deshalb auch nach einer früheren Erkrankung.

    Quellen

    1. Robert Koch-Institut: Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) 2026. Epidemiologisches Bulletin 4/2026 (22.01.2026). (abgerufen 21.10.2026)
    2. Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber Keuchhusten (Pertussis) (Stand 05.08.2025). (abgerufen 21.10.2026)
    3. Robert Koch-Institut: Schutzimpfung gegen Pertussis, häufig gestellte Fragen. (abgerufen 21.10.2026)
    4. Robert Koch-Institut: Pertussis-Impfung, Sicherheit und Wirksamkeit. (abgerufen 21.10.2026)
    5. Robert Koch-Institut: Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2024, Keuchhusten. (abgerufen 21.10.2026)
    6. Gemeinsamer Bundesausschuss: Schutzimpfungs-Richtlinie (in Kraft seit 28.04.2026). (abgerufen 21.10.2026)
    7. Deutsches Grünes Kreuz: Aufklärungsmerkblatt zur Impfung gegen Tetanus, Diphtherie, Pertussis und Poliomyelitis. (abgerufen 21.10.2026)
    8. Robert Koch-Institut: Epidemiologisches Bulletin 42/2026, Aktuelle Statistik meldepflichtiger Infektionskrankheiten (15.10.2026). (abgerufen 21.10.2026)

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